Bienen und Landwirtschaft – eine Partnerschaft mit Mehrwert

Blüte der Sonnenblume mit Honigbienen

Am Sonnenblumenfeld von Biolandwirt Franz-Josef Väth in Erlenbach ist viel Betrieb: Etwa zwei Millionen Honigbienen sind hier unterwegs. Die Imkerei Heiser hat im Juli 2026 knapp 50 Bienenkästen aufgestellt. Amtsleiter Stefan Huber machte sich vor Ort ein Bild von der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Imkerei und Landwirtschaft.

Die Sonnenblume zählt zu den letzten Massentrachten des Jahres und ist für die Bienen vor allem wegen ihres hohen Pollenwerts attraktiv. Die Bienen nutzen diese als Eiweißquelle zur Brutaufzucht – dies ist besonders wichtig im Hochsommer als Nahrung für die heranwachsenden Winterbienen. „So wie wir unseren Kühlschrank in der Nähe vom Esstisch haben, so bringe ich meine Völker an die Tracht. Die Nahrung sollte so nah wie möglich sein“, verdeutlicht Imkermeister Markus Nürenberg den Nutzen der Völkerwanderung.

Die Bienen an neue Standorte zu bringen, ist ein hoher Organisationsaufwand, aber er ist nötig, um gesunde und kräftige Völker zu haben. „Wir haben keine Verluste im Winter, das ist der beste Beweis, wie fit unsere Bienen sind“, so Nürenberg. So hat er den Aufwand nicht gescheut die Bienen von der abgeblühten Lindentracht zur Sonnenblume zu bringen, um den besagten Kühlschrank wieder zu füllen. Doch die anhaltende Trockenheit macht sich auch bei den Sonnenblumen bemerkbar. Aufgrund der geringen Niederschläge fällt die Nektarausbeute derzeit deutlich niedriger aus als in Jahren mit ausreichender Wasserversorgung. „Momentan sind es pro Stock nur etwa 100 Gramm am Tag“, so der Imkermeister.

In Spitzenjahren kann das Zehnfache erreicht werden. Um die Versorgung der Bienenvölker genau im Blick zu behalten, steht einer der Bienenstöcke auf einer Waage. Gleichzeitig werden hier die Wetterdaten erfasst. Die erfassten Gewichts- und Messdaten werden regelmäßig an die Imkerei übermittelt. So kann jederzeit überprüft werden, ob die Bienen ausreichend Nahrung haben oder ob die Völker abgewandert werden müssen.

Zwei Männer am Bienenstock mit Honigwabe
Bienen verbessern Ernteergebnisse
Von dem sprichwörtlichen Bienenfleiß profitieren nicht nur die Imkerei und die Honigliebhaber, sondern auch die Landwirte. Sonnenblumen können sich zwar selbst bestäuben, aber das Ernteergebnis fällt mit Bienenbestäubung deutlich besser aus. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dies in Zahlen und Fakten deutlich belegt. Das Ernteplus fällt in Abhängigkeit von der Witterung unterschiedlich hoch aus. Bei optimalen Bedingungen sollen, so Erfahrungsberichte, verdreifachte Ernteergebnisse möglich sein.

Vielen Landwirten, so die Erfahrung von Nürenberg, seien diese positiven Aspekte der Honigbienen nicht bewusst. Er wünscht sich in dieser Hinsicht eine verbesserte Kommunikation zwischen den Imkereien und der Landwirtschaft. „Die Bestäubungsleistung aller Insekten verdient mehr Anerkennung“, unterstreicht Nürenberg. Er persönlich ist in einem guten Austausch mit den Landwirtinnen und Landwirten. „Ich erlebe viel Rücksichtnahme und Offenheit“, lobt er. „Der Einsatz von Pflanzenschutz wird mir mitgeteilt und Bereiche werden mit Rücksicht auf die Bienen sogar ausgespart“, so seine positiven Erfahrungen.

Auf den Feldern von Biolandwirt Väth sind solche Absprachen von vornherein nicht nötig, da kein Pflanzenschutz eingesetzt wird. So blüht auch die eine oder andere Distel oder Phacelia zwischen den Sonnenblumen. Ein willkommenes Zusatzfutter für die Bienen.

„Die Bestäubungsleistung aller Insekten verdient mehr Anerkennung“, unterstreicht Nürenberg.