Wildlebensraumberatung in Unterfranken

Feldhase

© M. Schäf

Der Wildlebensraumberater am Fachzentrum Agrarökologie am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Karlstadt ist Ansprechpartner für Landwirte, Jäger und Jagdgenossen in ganz Unterfranken. Ziel ist, Lebensräume für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu verbessern und zusammen mit den Beteiligten praktikable Lösungen zu finden.

Der Wildlebensraumberater geht auf Landwirte und Jäger zu, um sie über die Umsetzung von wildtierfreundlichen Maßnahmen zu informieren und beraten. Lebensräume für Rebhuhn, Feldhase und Co. sind aufgrund der Flächennutzung oft beschnitten, eingeengt oder teilweise verloren gegangen. Die kritischen Faktoren für das Vorkommen von Wildtieren in der Agrarlandschaft sind heute vor allem Nahrung und sichere Rückzugsorte.
Persönlicher Wille und praxisbezogene Beratung wichtig
Entscheidend für den Erfolg aller Maßnahmen sind der persönliche Wille aller Beteiligten und eine solide, praxisbezogene Wildlebensraumberatung. Durch gemeinsames Handeln von Landwirten und Jägern lassen sich wertvolle Lebensräume entwickeln.

Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm
Ob Blühflächen am Waldrand oder in der Feldflur, Hecken, Streuobst, Zwischenfruchtanbau oder wertvolle Winterbegrünung in der kargen Jahreszeit - eine Fülle an Maßnahmen stützen und fördern die Artenvielfalt in Bayern. Mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) steht ein Instrument zur Seite, um hochwertige Lebensräume für unsere Wildtiere in unsere Agrarlandschaft zu integrieren.

Aktuelles

Von Ackerwildkräutern, Rebhühnern und tierischen Landschaftspflegern

Am Freitag, den 18. September 2020, fand der erste Flurbegang des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) gemeinsam mit dem BayernNetzNatur-Projekt des Landschaftspflegeverbands (LPV) und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) statt. Bei schönstem Wetter fanden sich alle angemeldeten Personen an der Ortverbindungsstraße zwischen Karbach und Urspringen zusammen. Auch Bertram Werrlein, Bürgermeister von Karbach, und Volker Hemrich, Bürgermeister von Urspringen, waren anwesend.
Kulturlandschaft eng mit der Biodiversität verknüpft

Wildlebensraumberater Bastian Dürr vom AELF Karlstadt eröffnete die Runde. Dabei machte er auf die Vielfalt der Kulturlandschaft in Main-Spessart aufmerksam: Die hügelige Geografie und die verschiedenen angebauten Kulturen prägen das Landschaftsbild und sind wichtig für die Biodiversität und Artenvielfalt. Diese zu erhalten, müsse das Ziel aller sein. In Anbetracht verschiedenster Herausforderungen wie Flächenversiegelung, Energiewende und Klimawandel müssen Möglichkeiten gefunden werden, wie Landwirte Flächen so nutzen können, dass ein Mehrwert für Landwirt und Natur entsteht.

Beweidung als Schlüsselelement

Julia Eberl, die Projektmanagerin des BayernNetzNatur-Projektes "Lebensräume auf Kalkstandorten im Landkreis Main-Spessart", stellte das Projektgebiet Schwarze Hecke“beim Windrad an der Ortverbindungsstraße vor. Seit der motormanuellen Entbuschung vor knapp einem Jahr, wird das Gebiet von zwei Weidetierhalten offen gehalten. Christoph Ühlein aus Waldzell beweidet ein großes Teilstück mit seinen Dexter-Rindern, mehrere kleinere Teilstücke werden durch die Landwirtsfamilie Wiesner aus Urspringen mit ihren Mutterschafen der Rasse "Zwartbles" gepflegt. Zur Veranschaulichung hatten diese ein Schaf mit Lamm ausgestellt. Ein Vorteil der Beweidung liegt im selektiven Fressen der Tiere, wodurch eine interessante Struktur für Insekten und Bodenbrüter entsteht. Trittstellen der Tiere schaffen außerdem neue Keimmöglichkeiten für Pflanzen, wie Christiane Brandt, die Gebietsbetreuerin Muschelkalk, erläuterte. Außerdem, so Wildlebensraumberater Bastian Dürr, wurden auf der Fläche in einem Projekt des LPV Rebhühner kartiert. Der Charaktervogel strukturreicher Kulturlandschaften ist auch im Landkreis Main-Spessart von starken Bestandsrückgängen betroffen.

Fortschritte durch gute Zusammenarbeit mit dem AELF Karlstadt

Jürgen Schneemann von der UNB freute sich über das Engagement der Landwirte im Landkreis. In diesem Jahr seien so viele landwirtschaftliche Flächen wie nie im Sinne des Naturschutzes bewirtschaftet worden. Er betonte, dass dies nur aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem AELF Karlstadt möglich war. So schlossen viele Landwirte in diesem Frühjahr Vertragsnaturschutzmaßnahmen unter anderem zum Schutz von Ackerwildkräutern ab. Dies ist wichtig, da die Ackerwildkräuter eine der gefährdetsten Pflanzengruppen in Deutschland darstellen.

Interesse der Bevölkerung an Themen der lokalen Landwirtschaft stärken

Zum Abschluss hob auch Reinhard Wolz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, das Engagement und die Aufgeschlossenheit vieler Landwirte für den Naturschutz hervor. Doch auch die Bevölkerung müsse stärker an den Themen der lokalen Landwirtschaft beteiligt und ihr Interesse geweckt werden. Die Idee, die Flurbegänge in regelmäßigen Abständen für Bevölkerung und Landwirte anzubieten, stieß daher auf große Zustimmung unter den Teilnehmern.

Flurbegang am Karsbacher Uhlberg: Landwirtschaft und Naturschutz im Zusammenspiel

Drei Personen im FreienZoombild vorhanden

© Helmut Hussong

In Karsbach wurden mehrjährige Blühflächen, Ackerbrachen angelegt. Sie dienen zur Erhaltung und Förderung der Vielfalt in der Natur. Über die Umsetzung und Wirkung dieser Maßnahmen informierten sich rund 40 Teilnehmer am 25. September 2020 bei einem Flurbegang mit Landrätin Sabine Sitter und Vertretern verschiedener Organisationen am Karsbacher Uhlberg. Ein ähnlicher Flurbegang fand eine Woche zuvor zwischen Karsbach und Urspringen statt.
Mehr Interesse am Thema Vielfalt der Kulturlandschaft durch das Artenvielfalt-Volksbegehren

Bernhard Schwab, Bereichsleiter Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), hob hervor: "Das Interesse am Thema Vielfalt der Kulturlandschaft hat sich sicher durch das Artenvielfalt-Volksbegehren deutlich erhöht." Im Landkreis Main-Spessart gebe es im unterfränkischen Vergleich eine überdurchschnittliche Beteiligung der Landwirte an den Agrarumweltmaßnahmen.

Blühflächen liefern Nektar und Pollen

Die nach dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) geförderten, fünfjährigen Blühflächen liefern laut Wildlebensraumberater Bastian Dürr vom AELF Karlstadt Nektar und Pollen und bieten Struktur, Deckung, Nahrung und Winterlebensraum für Insekten, Vögel sowie Wildtiere wie Rebhuhn oder Feldhasen. Die in den fünf derzeit zugelassenen Qualitätsblühmischungen enthaltenen Kulturarten, wie beispielsweise Ringelblume, Buchweizen, Sonnenblume oder Öllein, bilden im ersten Standjahr einen Bestand, der ungewollte Unkräuter unterdrückt. Ab dem zweiten Jahr setzen sich nach und nach die in der Mischung enthaltenen Wildpflanzen wie beispielsweise Schafgarbe durch.

"Durch die staatliche finanzielle Aufwandsentschädigung entsteht ein Vorteil für alle: Landwirt, Gesellschaft und Natur",
sagte Bastian Dürr. Dies sei notwendig, da alleine das Saatgut knapp 400 Euro pro Hektar koste.

Gespräch und Netzwerk

Abschließend betonte Landrätin Sabine Sitter: Das Zusammentreffen von Landwirtschaft, Landschaftspflegeverband, AELF und Naturschutz bei diesen Flurbegang sei wichtig, um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen. Nur wenn die unterschiedlichen Sichtweisen diskutiert würden, könne man eine gute Lösung für Natur, Landwirtschaft und Kulturlandschaft finden.

Natur in der Stadt - funktioniert das?

Im Garten des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt schon. Denn dieser wurde naturfreundlicher gestaltet. Mit Erfolg! Selbst im Herbst sieht man die Veränderungen noch.
Von der Grünfläche zur artenreiche Wiese
Wildlebensraumberater Bastian Dürr vom Fachzentrum für Agrarökologie: "Wir haben viel unternommen. So wurde die Grünfläche auf eine zweischürige Mahd in mehreren Teilabschnitten umgestellt. Dadurch konnten schon im ersten Jahr blühende Wildpflanzen wie Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Wilde Möhre, Schlüsselblume, Wiesensalbei oder Johanniskraut entdeckt werden, die jedes Jahr zunehmen. Diese Vielfalt zieht auch Insekten wie Hummeln und Schmetterlinge an."
Abgestorbene Pflanzenteile als Überwinterungsmöglichkeit

Außerdem wurden mehrere mehrjährige Blühstreifen und Kübel mit Saatgut angesät. Diese bieten im Frühjahr und Sommer einen herrlichen Anblick für Besucher und daneben reichlich Nektar und Pollen. Sogar für ein extra aufgestelltes Bienenvolk war noch genug Nahrung vorhanden. Wichtig ist jedoch, dass der "Überlebensraum" auch über den Winter hinweg stehen bleibt. Er ist zwar keine Augenweide mehr, bietet jedoch genau dann für Insekten die richtige Struktur zum Überwintern. Das können zum Beispiel Gräser oder hohle Stängel sein.

Auch Singvögel und Mauereidechse profitieren

Auch anderen Tierarten wurde geholfen: Für die sporadisch im Amtsgarten vorkommenden Mauereidechsen wurde in einer Gemeinschaftsaktion von den Mitarbeitern des Amtes ein Steinlesehaufen angelegt. Dieser wird gut angenommen und in diesem Sommer konnten schon circa 20 Exemplare der seltenen Art beim Sonnenbad beobachtet werden.

Daneben wurden auch Fledermauskästen sowie Nistkästen befestigt und Futter- und Wasserschalen für Singvögel aufgestellt. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Kurz nach dem Aufhängen wurden die Nistkästen von Kohlmeise, Blaumeise und Star angenommen. Seitdem ist einiges los - über Amsel und Distelfink bis hin zu Bluthänfling sind über 15 Vogelarten regelmäßig im Garten anzutreffen.

Da die Tage jetzt kürzer werden und die Nahrung knapper wird, sind bald noch mehr Vögel im Garten zu erwarten.

Besuch erwünscht

Wer also in der Ringstraße 51 in Karlstadt vorbeikommt, kann sich gerne ein Bild davon machen.

Wildlebensraumberater

Bastian Dürr
AELF Karlstadt
Ringstraße 51
97753 Karlstadt
Telefon: 09353 7908-1062
Fax: +49 9353 7908 1090
E-Mail: poststelle@aelf-ka.bayern.de

Kurzfilm

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